Mittwoch, 18. Januar 2012

Möbelkauf und Comedy


IKEA Deutschland GmbH & Co. KG

Abteilung Kundenservice, Reklamationsmanagement, Beschwerden

Niederlassung Köln-Godorf

Godorfer Hauptstraße 171

50997 Köln


Betreff: Reklamation unserer Bestellung und Hinweise auf die kuriosen Umstände
 

Köln, 19. Januar 2012
Sehr geehrte Damen und Herren,



am Samstag, 7. Januar 2012, haben wir in Ihrem Haus einen wahren Mammuteinkauf mit Billy, Benno und Flären erledigt und uns dann mit Einkaufsservice, Liefertaxi und Vor-Ort-Montage auch noch das „Rundherum-Sorglos-Paket“ gegönnt, wobei „Sorglos“ leider nicht mehr zutrifft. In der Tat haben wir erfahren müssen, dass unser erster Versuch, derartige Ikea-Dienste in Anspruch zu nehmen, eher Sorgen bereitet.  

Zum Beispiel das Lastentaxi. Dort wurde ein falscher Liefertermin anstelle des angestrebten Samstags, 14. Januar, notiert. Jegliche Versuche, den Betreiber (MC-Dienstleistungen in Groß-Gerau) zu erreichen, scheiterten zunächst gleich an zwei Tagen. Weder telefonisch noch auch auf unsere E-Mails oder das Kontaktformular im Internet bekamen wir irgendeine Antwort. Also rief ich bei Ikea an, unter „01805“ und damit für 14 Cent die Minute, um jenen Termin berichtigen zu lassen.


Das Gespräch mit Ihrem Mitarbeiter war wenig erquicklich, obwohl es durchaus an Comedy erinnerte. Wieder und wieder musste ich nämlich Dinge wiederholen, Nummern aufsagen und ähnliches, so dass ich mich längst nicht mehr des Eindrucks erwehren kann, dass das Gespräch möglichst in die Länge gezogen werden sollte, damit es den Kunden, und damit mich, schön viel kostet. Es waren dann auch satte zwölf Minuten (!) an deren Ende Ihr Mitarbeiter sagte, dass er ohnehin nicht helfen könne. Zuvor hatte es eine skurrile Diskussion darüber gegeben, ob wir das Lastentaxi im Ikea-Gebäude oder außerhalb des Gebäudes gebucht hätten. Sie kennen sich (hoffentlich) in Ihrem Betrieb aus und wissen, dass wir das Lastentaxi im Haus gebucht haben und nicht vor der Tür in der Godorfer Kälte. Ihr Mitarbeiter aber meinte, dass das einfach unmöglich sei, wir müssten es draußen gebucht haben, Lastentaxis würden immer draußen gebucht … Daher könne er mir und uns nicht helfen. So viel Kompetenz habe ich prompt durch Auflegen klar bewertet.
 

Wenigstens war dann ein weiterer Versuch, MC-Dienstleistungen zu erreichen, endlich von Erfolg gekrönt und die Lieferung von Benno, Billy und Flären zum einst vereinbarten Termin klappte dann auch an besagtem Samstag vergangener Woche reibungslos. Und es wurde ein bemerkenswerter Nachmittag! Es kamen zwei Kollegen von Ihnen. Der eine von beiden entschuldigte sich sofort für seine schlechte Körperhaltung. Er habe zu lange auf der Sonnenbank gelegen und der Sonnenbrand auf dem Rücken bereite ihm unglaubliche Schmerzen. „Armer Kerl“, dachte ich und war dann auch gern bereit zuzulassen, dass er sich von seinem Kollegen mit jenem „Soventol“-Gel einreiben ließ, das er irgendwo im Zimmer gefunden habe, wie er sagte, als er plötzlich in einem ruhigen Moment neben mir stand. Immerhin, er fragte um Erlaubnis. Inzwischen aber steht fest, dass diese Tube „Soventol“ aus einem verschlossenen Umzugskarton (!) stammte, in dem wir alle Medikamente für den Auszug aus unseren alten Wohnungen gesammelt hatten. Am Abend war das Medikament ebenso weg wie Ihr Mitarbeiter. Das war nun wirklich nicht verabredet.
 

Und das war auch nicht die einzige böse Überraschung: Es war zuvor klar verabredet worden, dass die Schrankwand aus jeder Menge Billy und etlichen Bennos an der linken Zimmerwand und haargenau links neben den dort eingelassenen Steckdosen sowie einer Radio- und TV-Buchse aufgestellt werden sollte. Nun, die Schrankwand steht heute haargenau davor, jene Buchsen sind damit im Rücken verschwunden und nicht zu benutzen. Dabei hatte ich Ihrem Mitarbeiter genau aufgeschrieben, in welcher Reihenfolge er die einzelnen Elemente anordnen sollte. Ich weiß, es ist mein Fehler, dass mir das erst später aufgefallen ist. Aber ich hatte an jenem Tag, zu jener Zeit noch keinen Grund dazu, an den Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter zu zweifeln.
 

Somit zeugt es auch von unglaublicher Weitsicht, dass Ihr Kollege die Billy Olsbo-Türen, die eigentlich für das rechte Ende der neuen Schrankwand vorgesehen waren, ganz links montiert hat. Sonst wären sie nämlich immer vor den Fenstersims geklatscht! Hätte er die Schrankwand aber, wie von mir geplant, mit Abstand zur Wand, zu Steckdosen und Buchsen aufgebaut, hätte er diesen Geistesblitz gar nicht erst haben müssen (oder war es doch eine Vertuschungsaktion?).
 

Zudem trauern wir um Flären: Der Badezimmerschrank wurde zwar aufgebaut, ist aber beschädigt und bereits reklamiert. Der Austausch soll am kommenden Samstag, 21. Januar, erfolgen und wir sind schon gespannt auf weitere Erlebnisse mit Ihrem Fachpersonal. Hoffentlich hat keiner von Ihren Kollegen eine Zerrung im Rücken, denn „Voltaren“ (noch reichlich vorhanden in jenem Karton) ist ungleich teurer als „Soventol“. Wir bringen das Gel also schon mal in Sicherheit. Das Reklamationstelefonat lief zwar reibungslos, mit viel Höflichkeit und ohne Verständnisschwierigkeiten auf beiden Seiten angenehm ab. Aber auch dieses Telefonat kommt uns teuer zu stehen. Es waren gute 14 Minuten. Ich hatte zuvor mein Glück mit einer Internet-Reklamation versucht und nach einer langen Zeit des Suchens auch tatsächlich das Online-Formular auf Ihren Seiten aufgespürt. Ich füllte es aus, tippte endlos lange Zahlenreihen hinein und drückte am Ende auf „Senden“. Was für ein Fehler: Plötzlich war das Formular wieder weiß, alle Angaben futsch. Also doch anrufen und 14 Cent pro Minute in Service-Kompetenz investieren … Als erstes wollte Ihr Kollege am Telefon übrigens wissen, warum ich ausgerechnet in Dresden anriefe, wenn ich doch Kölner sei. Nun, ich habe die Rufnummer gewählt, die ich auf Ihrer Seite vorgefunden habe! Beim heiligen Benno und Billy, das schwöre ich …
 

Ich weiß nicht, was Sie mit Schreiben wie diesem anfangen. Aber glauben Sie mir, ich bin ein gelassener Mensch und hätte auch die „Soventol“-Affäre mit einem Lächeln abgetan, wären nicht all die anderen Umstände gewesen, die weitere Kosten (wenn auch überschaubar) verursacht und vor allem weitere (Frei-) Zeit (unbezahlbar) verschluckt haben. Wir werden bald mit starken Freunden versuchen, sämtliche Billys und alle Bennos derart zu verrücken, dass die Buchsen wieder frei zugänglich sind. Und vielleicht hilft und ja Ihr Kollege dabei, der am Samstag zu uns kommt, um Flären auszuwechseln. Sollte er am Ende wirklich Rückenschmerzen haben, geben wir ihm unser „Voltaren“ recht gern. Und vielleicht darf er es auch behalten – je nachdem, wie sie sehr es wehtut.
 

Mit freundlichen Grüßen,

Jens Höhner

Samstag, 24. Dezember 2011


Terror, der aus der Karte tönt


Von Jens Höhner

Plötzlich ist es passiert. Ein dicker blauer Strich zieht sich von einer Ecke zur anderen. Ein irreparabler Schaden auf der eben noch blütenweißen Weihnachtskarte. Ein Fall für die Tonne. Eben, vor gut einer halben Stunde und kurz nach Ladenschluss, ist die Welt noch hübsch in Ordnung gewesen. Ruhig war’s und nahezu besinnlich. Zu Hause brennen Kerzen, die Füllfeder ist betankt, ein gutes Glas Rotwein soll das Schreiben der Weihnachtspost ein bisschen beschleunigen. In der Tat, die Feder fliegt über das Papier, aber das Herz rast wenig besinnlich, als jener Tintenstrich tiefblau übers Kartenweiß eilt. Auf der Stirn perlt der Schweiß, während der Kerl am anderen Ende des Füllers aufgesprungen ist vom Schreibtisch und ziemlich unweihnachtliche Flüche ausstößt, etwa „Du bescheuertes Rentier, Du!!!“ oder – beim Anblick des Weihnachtsmannes: „Du fetter Sausack im Puschelmantel!“

Dabei ist das Angebot echt gut gewesen: Jede Weihnachtskarte für nur einen Euro! Nur einen Euro! Denn ist es fünf vor zwölf, wenn die Adventspost pünktlich zum Fest die Freunde erreichen soll, dann ist jetzt Schreiben angesagt, eben bei Kerzenschimmer, Rotwein und bis vor einigen Augenblicken recht entspannter Atmosphäre – und einem gewissen Stolz, doch noch alles rechtzeitig zu schaffen. Dem türkischen Kiosk an der Ecke sei Dank. Eine Karte, ein Euro, einfach unschlagbar.

Und wer ahnt schon, dass die gut verpackte Ware plötzlich Geräusche macht? Dass aus Rentierfratzen irrelaut, aber monoton „Jingle Bells“ plärrt? Oder dass ein rotes Weihnachtsmanngeschicht ohrenbetäubend „O Tannenbaum“ schmettert? Jede Karte ist ein Treffer, jener Dudelmechanismus beim Aufklappen funktioniert mit verlässlicher und vor allem martialischer Perfektion. Für 20 Euro habe ich Spitzenware des weihnachtlichen Frohsinns erstanden, der mich vor dem vermeintlich ersten Federstrich kolossal erschreckt.

Während ich später nach dem ärgerlichen Tintenmalheur endlich auch die letzte Terror-Grußkarte in ihrem adressierten Umschlag verstaue, hoffe ich auf die Deutsche Post. Die hat schon ganze andere Sachen kaputtgekriegt.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Süße Träume auf Etage 4

Von Jens Höhner

Aus einem Lautsprecher tröpfelt moderne Jazzmusik, in ausgedehnten Klangwelten nöhlt ein Saxofon. Ich gleite – nein, ich schwebe – nahezu durch mir unbekannte, höchst moderne Lounge-Landschaften wie aus dem Katalog, eingelullt von dieser sphärischen Musik. Benebelt bin ich, vielleicht sogar high. Hier riecht es nach schwerem Holz, dort nach aufgerautem Leder. Üppigste Kissenberge laden ein zur Rast, Duftstäbe zur Linken und zur Rechten verströmen ihr Aroma. Ein Buddha grinst starr in den Raum hinein. Meine Arme werden schwer, die Beine sind es längst.

Aus dem Vorwärtsgleiten wird auf Etage 4 schließlich ein Taumeln. Ich kann nicht mehr. In den Ohren rauscht und braust es, immer wieder drängt sich jenes Saxofon in den Gehörgang. Meine Augen flimmern, die Nase juckt ob einer neuen Duftattacke. Alles dreht sich, mir sinkt der Kopf auf die Brust. Nur noch ein paar Schritte, denke ich, nur noch ein bisschen vorwärts. Dann kippe ich endlich um und versinke in flauschigen Decken, gerade eben spüre ich noch das bereitwillige Entgegenkommen einer hervorragenden Matratze. Dann ist es dunkle Nacht, ich werfe mich in Morpheus‘ Arme und gebe mich den Träumen hin. Herrlich. Ist es ein wirklicher Rausch?

Plötzlich ein energisches Räuspern. Dann ein Hüsteln, gefolgt von einem noch energischeren Räuspern. Eine Stimme dringt in meine Traumwelt. „Entschuldigung“, sagt sie. „Entschuldigung, Sie können doch nicht …“. Jemand greift an meine Schulter, fasst zu, schüttelt mich. Ich werde wach, plötzlich. Ich reibe mir die Augen. Vor mir steht ein Mann in einem schlechtsitzenden Polyesteranzug. Ein Verkäufer. Um mich herum stehen Betten, Betten und noch mal Betten. Und ich habe mir eines davon ausgesucht, um mich hinzulegen – auf Etage 4 von Möbel Meyer. „Mehr als drei Möbelhäuser sollte man einfach nicht an einem Tag aufsuchen, das ist zu viel“, urteile ich, während ich mich, eine Entschuldigung brummend, aus dem Ausstellungsstück schäle. „Sie sollten Ihre Kunden nicht so einlullen“, erkläre ich dem verdutzten Verkäufer, zeige auf die Duftstäbchen, deute auf die Jazz erfüllten Lautsprecher und trolle mich, verfolgt von einem nöhlenden Saxofon.

Dienstag, 23. August 2011

"Tomorrow's World" - oder: Kino für Kopf und Ohren

Von Jens Höhner

Sicherlich wäre es für Vince Clarke und Andy Bell ein Leichtes gewesen, auf der anhaltenden Achtziger-Jahre-Revival-Welle mitzureiten und sich schamlos selbst zu kopieren. Stattdessen aber schenkten die beiden Pioniere des Synthie-Pop ihr Vertrauen dem erst 26 Jahre alten Musikproduzenten Frankmusik aus London, der sich des neuen Erasure-Albums „Tomorrow’s World“, dem 14. Studiowerk der Band, annehmen durfte. Herausgekommen ist tatsächlich etwas von morgen, ein modernes und gradliniges Diskopop-Album, bei dem die Fans zwar auf die Soundspielereien von Vince Clarke weitestgehend verzichten müssen. Dafür aber brechen wahre Soundwände im Kinoformat über den Hörer herein – „Erasure goes Lady Gaga“ könnte das Motto gewesen für die Arbeit an „Tomorrow’s World“, das sich – wenn man den nach Vergleichen sucht – vielleicht als eine Mischung aus den früheren Erasure-Alben „Cowboy“, „Erasure“ und „Nightbird“ beschreiben lässt.

Bei aller Euphorie über diesen „Langspieler“ (man beachte die Anführungszeichen) muss aber festgehalten werden, dass es mehr als enttäuschend ist, dass die Herren Clarke und Bell gerade mal neun Songs anbieten, die es zusammen auf eine Spielzeit von nicht mal 32 Minuten bringen. Das ist mager. Wer noch mehr neues Erasure-Material hören will, muss auf die limitierte Version des Albums zurückgreifen, auf der es mit „Give me life“ dann wenigstens noch einen zehnten neuen Song zu hören gibt.

„Tomorrow’s World“ im Einzelnen:

01 „Be with you“:
Zuckersüßer, etwas klebriger Diskopop mit Ohrwurm-Garantie. Das Besondere an diesem Stück ist – wie bei anderen Songs des neuen Albums auch – der Gesang, der live und nahezu unbearbeitet klingt – geradeso, als säße Andy Bell in der Lautsprecherbox vor einem. Ein guter Opener, der Lust auf mehr macht, zum Beispiel auf „Fill us with fire“.


02 „Fill us with fire“: Der zweifelsohne stärkste Song des Albums, der sich wunderbar als Auftaktsingle geeignet hätte. Eine fantastische Melodieführung, ein perfektes Arrangement setzen erneut den Gesang Andy Bells wunderbar in Szene. Auch gibt es bei diesem Up-Tempo-Stück die ansonsten sehr spärlich eingesetzten en analogen Synthie-Finessen von Vince Clarke. Geht sofort ins Ohr – und reift dort lange nach.


03 „What will I say when you’re gone“: Eine der beiden Balladen auf dem neuen Langspieler und
vielleicht der langweiligste Song auf „Tomorrow’s World“. Die Melodie kommt sehr vorhersehbar daher – allein der Gesang von Andy Bell reißt diese Nummer aus der Belanglosigkeit.


04 „You’ve got to save me right now“: Dieser Song lässt hinhören, so ungewöhnlich ist er.Feinster Elektro-Blues von Erasure! Bei den vergangenen „Total Pop!“-Konzerten hat das Stück unter dem Kurztitel „Save me“ bei den Fans gemischte und überwiegend ablehnende Kritik hervorgerufen. Musikalisch ist er ob seines komplizierten Arrangements und der gesanglichen Herausforderung ein echter Knaller und damit ein Album-Highlight. Man muss ihn mehrfach hören, um den Charme der sauber produzierten Studioversion herauszuhören.


05 „A whole lotta love run riot“: Eine schnelle, stampfende Diskonummer mit ziemlich vielen Vocoder-Effekten, die sich ziemlich überraschend in den Soundkaskaden verlieren – eine clevere Produktion und eines jener Stücke, die mit überwältigenden Soundwänden aufwarten. Geht sofort ins Ohr, auch dank seiner eher schlichten Melodie. Und die Fans kommen in den Genuss, Andy Bell auf Französisch singen zu hören.


06 „When I start to (Break it all down)“: Ein wundervoller Song mit einer charmanten Melodie, die sich schnell in den Gehörgang kuschelt. Als erste Single nach einer Erasure-Pause von vier Jahren scheint er aber als Vorbote eher ungeeignet. Von der Musik her klingt das Stück eher reduziert, es lebt vom famosen Gesang Andy Bells, der erneut stark nach Live-Aufnahme klingt. Im Hintergrund dürfen endlich Vinces Clarkes Synthesizer hemmungslos hervorsprudeln – überraschendes, fesselndes Ende. Warum Frankmusik davon gleich eine Coverversion aufgenommen hat, ist allerdings ein Rätsel – von diesem eher missratenen Machwerk sollte man ohnehin Finger und Ohren lassen.


07 „I lose myself“: Hammerstarke Elektro-Nummer, die sich als Single nur so aufdrängt. Erinnert an
Donna Summers „Hot Stuff“. Knallhartes, trockenes Arrangement, eine absolute Partynummer. Das Modern-Talking-Klavier in der Mitte aber hätten besser Soundtüfteleien aus Vince Clarkes Klangschmiede ersetzt … Man darf sich – wie übrigens bei der Mehrzahl der neuen Kompositionen – auf das Live-Erleben freuen.


08 „Then I go twisted“: Und noch einmal geht’s auf den Dancefloor, lasziver Diskopop mit explosivem Sound und wummernden Beats, wunderbar kühl produziert und von Andy Bell betörend vorgetragen. Wieder aber kommt der Vocoder zum Einsatz, um den Gesang zu manipulieren – Geschmackssache. Ein Ohrwurm aber allemal.


09 „Just when I thought it was ending“: Eine umwerfende Ballade – vielleicht die beste, die Erasure jemals produziert haben, so bezaubernd wie einst „No doubt“. Üppige Klangteppiche, die den Song nach Soundtrack klingen lassen – großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes. Schmeichelt sich ins Ohr und bleibt ewig in den Gedanken. Zusammen mit „Fill us with fire“ ein Höhepunkt auf „Tomorrow’s World“.



Fazit: Ein insgesamt starkes Album, das die Fans aber spalten wird. Die Vincianer werden eher enttäuscht sein, während die Bellianer frohlocken dürften wegen der brillanten Gesangsleistung, die Lust auf die kommenden Live-Auftritte macht. Insgesamt wäre zu wünschen gewesen, dass es mehr neues Material gibt, das zeigt: Erasure sind noch lange nicht am Ende der Kreativität angelangt. Im Vergleich mit einem Album wie „Nightbird“ aber fällt „Tomorrow’s World“ dann doch deutlich ab. Oder mit einer Schulnote ausgedrückt: 2-.



Freitag, 8. Juli 2011

Tomorrow's World, Today's Night-Party

Erasure-Night im SASCH’s!

Sie sind ein Stück Musikgeschichte, Klassiker des Synthetikpops wie „Oh l’Amour“, „Sometimes“, „A little Respect“, „Always“, „Breathe“ oder zuletzt „Sunday Girl“ stammen aus der Songschmiede von Vince Clarke und Andy Bell, kurz Erasure. Am 3. Oktober erscheint mit „Tomorrow’s World“ das 13. Studioalbum des britischen Duos aus Diskodiva und introvertiertem Soundingenieur, dem die Single „When I start to (Break it all down)“ vorausgeht. Am Samstag, 12. November 2011, machen Erasure mit ihrer „Tomorrow’s World“-Tour Station im Kölner „E-Werk“. Aber wenn dort die Lichter ausgehen, ist der Spaß noch längst nicht vorbei: Dann steigt in „SASCH’s Bar“, Taunusstraße 2/Wetzlarer Straße, die „Tomorrow’s World, Today’s Night“-Party mit Erasure satt.

Geboten werden für einen Flatrate-Preis 19 Euro Fingerfood und Snacks sowie Sekt, Hausbier und Softdrinks, dazu Musik von Erasure und Co. in Ton und Bild. Und dazu wird es sicherlich die eine oder andere Überraschung geben! Die Teilnehmerzahl allerdings ist begrenzt, eine rechtzeitige und verbindliche Anmeldung daher geboten.

Anmeldungen für die „Tomorrow’s World, Today’s Night“-Party sind möglich über das Facebook-Profil von „SASCH’s Bar“ oder per E-Mail an saschs-bar@web.de unter Angabe von Namen und E-Mail-Adresse. Die Reservierung ist erst nach erhalt einer Bestätigungsmail von „SASCH’s erfolgt. Sollte keine Rückmail folgen, so ist die begrenzte Teilnehmerzahl bereits erreicht und es ist (vorerst) keine Teilnahme mehr möglich! Die Party steigt im Anschluss an das Erasure-Konzert im „E-Werk“, Ende offen.

Adresse: „SASCH’s Bar“, Wetzlarer Straße 2 (Eingang Taunusstraße), 51105 Köln, Telefon: 0221/8875471, Internet: http://www.saschs-bar.de/

„SASCH’s Bar“ ist bequem vom Flughafen (S-Bahn-Linie 13) und vom Kölner Hauptbahnhof (S-Bahn-Linien 12 und 13, Regionalbahn 25) zu erreichen. Von der Haltestelle „Trimbornstraße“ sind es drei Minuten zu Fuß. (höh)

Mittwoch, 23. März 2011

Wartezimmer

(oder: Gebt mir mehr Penicillin)

Von Jens Höhner, 22. März 2011

Der eine hustet, der andere schnieft,
der eine keucht, eine Achsel mieft.
Und ein Auge einsam trieft.
Der eine röchelt, der andre niest,
ist das eklig, Herpes sprießt.

Wir warten zusammen, sind doch allein,
jeder will als Nächster rein.
Bakterien fliegen durch die Luft,
der Typ gegenüber sieht aus wie'n Schuft.

Marc-Kevin, das Höllenkind,
füttert die Fische, einer ist schon blind.
Dann kippt er das Spielzeug um,
ich träume von spritzen voll Morphium
(nicht für mich, fürs Höllen-Kind).

Die Sprechanlage quiekt,
privat-versichert siegt.
Ich bleibe sitzen
und hab' Angst vor vielen Spritzen.

Endlich kennt das Schicksal Gnade,
mein Blick ist schon völlig fade.
Ich darf rein zum Doc,
"Sie sind krank", ruft er ad-hoc.
Und das stimmt, wie schade.

(Fragt mich nicht nach Metrum, Reim oder Rhythmus!)

Freitag, 18. März 2011

Ich brauche Ballettschuhe

Von Jens Höhner

Ich brauche Ballettschuhe. Können Sie mir bitte welche schicken? Vermutlich schauen Sie gerade genauso verwirrt aus der Wäsche wie jener Kollege, dem allmorgendlich zwischen Schreibtisch und Schreibtisch seltsame Dialoge zu Ohren kommen. Merkwürdige Fragen wie „Hey, was brauchst Du?“ oder „Kannst Du mir noch etwas Marmor schicken?“ oder auch „Wenn Du gleich mal Zeit hast, erntest Du meine Möhren?“. Und wenn schließlich ein Satz fällt wie „Ich hab’ gerade einen fahren lassen“, dann muss niemand das Fenster aufreißen. Es ist nur wieder ein Güterzug mit etlichen Waren an Bord unterwegs.

Vermutlich verstehen Sie nur Bahnhof. Ist mir vor kurzem noch genauso gegangen. Aber dann habe ich mich von meiner Freundin dazu überreden lassen, eine Stadt zu bauen, Felder zu beackern, Straßen anzulegen, nette Nachbarn zu finden. „Cityville“ heißt dieses virtuelle Städtebauprojekt, das eines dieser sozialen Netzwerke im Internet anbietet. Ein Online-Spiel ist es, bei dem man zunächst Landhäuser baut, dann erste Feldfrüchte züchtet, eine Polizeistation und eine Feuerwache errichtet, schließlich Wolkenkratzer in den Himmel wachsen lässt.

Immer aber ist man auf die Hilfe anderer, der Nachbarn, angewiesen, die einem zum Beispiel per Mausklick Marmor schicken oder eben Ballettschuhe senden, wenn man das Theater eröffnen möchte. Auch helfen sie mit Goldbarren aus oder ernten ein gereiftes Feld, wenn einem selbst als Eigentümer der Stadt mal wieder die Energie ausgegangen ist. Jede Spielsession am Computer ist nämlich auf 30 Energie-Einheiten begrenzt.

Und das ist gut so. Denn sonst würde ich wohl ewig spielen, ausgerechnet. Pacman fand ich als Kind doof, einen Gameboy habe ich nie besessen und Super-Mario habe ich nur ein einziges Mal in meinem Leben über virtuelle Hügel hüpfen lassen. Lieber habe ich Fußbälle über eine grüne Wiese gekickt oder habe Verfolgsjagden mit dem Fahrrad gemeistert. Aber das war gestern. Jetzt ruft das Feld, ich muss raus. Sie wissen schon, diesmal der Mais ...